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7. Senioren-Europa Hallenmeisterschaften in Ancona - ein Rückblick.
Nach Viareggio(1980), Rom(1985),Verona(1988), Cesenatico(1998) und Riccione(2007), fanden vom 25.-29. März nun schon zum 6.Mal internationale Seniorenmeisterschaften in Italien statt. Mit Ausnahme von Viareggio, konnte ich an allen Veranstaltungen teilnehmen. Zum ersten Mal aber fanden Hallenmeisterschaften in Italien statt, die erst seit 1999 ausgetragen werden.
Die ca. 100.000 Einwohner zählende Hafenstadt am adriatischen Meer, 210 KM nordöstlich von Rom und ca. 2oo KM südöstlich von Bologna gelegen, bekam wegen der neuen und modernen Halle mit ihren 6 Rundbahnen diesmal den Zuschlag zur Ausrichtung. Mit der Rekordbeteiligung von fast 2.900 Teilnehmern aus 39 Nationen, darunter 1.2oo Italienern und 340 Deutschen und der zeitlichen Erweiterung auf 5 Tage, wurden an die Organisatoren fast unlösbare Aufgaben gestellt. Man muß aber den Verantwortlichen ein Kompliment für die nahezu perfekte Durchführung machen. Auch der ausgetüftelte Zeitplan wurde nahezu eingehalten. Am zweiten Wettkampftag mit den Fünfkämpfen, ging dieser von 8.00 Uhr morgens bis zum Beginn des letzten Wettbewerbs um 23.00 Uhr abends.
Meine Frau und ich flogen bereits 3 Tage vor Beginn meines ersten Wettkampfs mit Direktflug nach Ancona, damit wir uns gemeinsam noch etwas von Ancona und der Umgebung ansehen konnten. Neben diversen Spaziergängen in der Stadt mit Besuch des auf einem Hügel gelegenen sehr sehenswerten Doms, den herrlichen Ausblicken aufs Meer, beeindruckte uns die Führung im archäologischen Museum besonders. An einem Nachmittag fuhren wir mit dem Bus ins nahe historische Städtchen Osimo und meine Frau machte mit der Bahn einen Besuch im berühmten Wallfahrtsort Loreto.
Am Mittwoch Vormittag, dem ersten Wettkampftag, hatte ich mit dem 60m Vorlauf, meinen ersten internationalen Stat in der "M 70" Altersklasse zu absolvieren. Aus 3 Vorläufen, wurden die 3 Endlaufteilnehmer ermittelt. Ich trat keinesfalls als Favorit an, denn Aimo Mikkola, erzielte bei den finnischen Hallenmeisterschaften dieselbe Zeit wie ich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Düsseldorf. Als starken Mitstreiter stufte ich meinen bayerischen Teamkollegen Beckering ein, gegen den ich anfangs Februar in Fürth das Nachsehen hatte, ihn aber bei den "Deutschen" besiegen konnte. Beckering gewann den ersten Vorlauf in 8,67 Sec., ich den zweiten in 8,59 Sec., während der Finne in 8,57 Sec. Tagesbestzeit erzielte. Ich war also für den Endlauf "gewarnt". Am Nachmittag konnte ich mich im Schongang im ersten der beiden 400m
Vorläufe für den Endlauf qualifizieren.
Der Donnerstag war für mich der wichtigste Wettkampftag, denn ich mußte 2 Endläufe absolvieren. Gut ausgeruht und konzentriert, trat ich um 18.30 Uhr zum 60m Endlauf an. Der Vorlaufsschnellste, Mikkola, startete auf Bahn 4, direkt links neben mir und auf Bahn 3 war Beckering. Trotz betontem Starttraining in den letzten Wochen, gelang mir ausgerechnet im Finale kein guter Start und ich war hinter Mikkola. Erst nach ca. 35 m hatte ich den Rückstand aufgeholt und ging dann in Führung. Ich konnte mit erfreulichen 8,30 Sec., nur 1/10 über dem WR, deutlich vor dem Finnen gewinnen, der als Zweiter auf 8,44 Sec. kam. Beckering verbesserte sich als Dritter auf 8,59 Sec.
Nach dem Endlauf gratulierte mir Sigrid Balser zu meinem Sieg und wünschte mir diesen auch für das 400 m Finale. Ich, meinerseits, gratulierte Sigrid zu Ihrem erfolgreichen 3. Platz im Diskuswerfen mit sehr guter Weite, den Sie am Vormittag erkämpft hatte. Sie war mit ihrem Abschneiden sehr zufrieden. Sigrid hat auf der Leichtathletik-Homepage selbst über ihrem Wettkampf und ihre Eindrücke bei der EM berichtet.
Nach nur gut 1 1/2 Stunden fand bereits der Endlauf über 400 m statt. Hier ging es mir nicht nur um den Sieg, sondern ich wollte meinen in Düsseldorf erzielten WR von 59,92 Sec. verbessern, denn meine erzielten Trainingszeiten ließen eine Verbesserung möglich erscheinen. Ich bekam die günstige Bahn 5. Es war mir klar, daß ich nur bei sehr flottem Anlauftempo Aussicht auf Erfolg haben werde. Es gelang mir, sogar eine etwas bessere 200 m Zwischenzeit als in Düsseldorf zu erzielen. Trotz starker Anfeuerung der Zuschauer auf der Tribüne der Zielgeraden, blieb ich mit 16 hundertstel Sekunden über meiner Bestzeit von Düsseldorf. Im Ziel hatte ich über 8 Sec. Vorsprung vor dem Deutschen Adolf Nehren als Zweiten. Meine Zeit wurde groß auf der Videowand und durch die Ansage als "Record Mondiale" bekanntgegeben, aber es war kein Weltrekord. Man wußte offensichtlich nicht, daß ich in Düsseldorf schon schneller gelaufen bin.
Der 200 m Vorlauf am Freitag Vormittag hatte für mich eine besondere Bedeutung, denn es war mein letzter Lauf bei diesen mir sicherlich lange in guter Erinnerung bleibenden Meisterschaften. Wir hatten uns nämlich entschieden, am Samstag noch vor den Endläufen über 200 m, 60 m Hürden und der 4 x 200 m Staffel nach München zuurückzufliegen, um an der Konfirmation eines nahen Verwandten teilnehmen zu können. Ich nahm mir vor, in diesem Vorlauf meine bestmögliche Zeit zu erzielen, um so wie bei den 400 m meinen Weltrekord von Düsseldorf mit 26,92 Sec. zu verbessern. Leider schaffte ich auf der Außenbahn auch dieses Ziel nicht ganz, denn ich lief nur 27,01 Sec.
Ich habe trotzdem keinen Grund, mit meinem Abschneiden in Ancona, nach monatelanger Verletzungspause, unzufrieden zu sein. "Wir sehen uns in Vaterstetten", sagten mir verschieden deutsche Kameraden zum Abschied. In unserem Stadion finden vom 10. bis 13. Juli die Deutschen Seniorenmeisterschaften statt, bei denen auch einíge TSV-Senioren, darunter der Deutsche Hallenmeister über 400 m und Vizehallenmeister über 200 m, Gerhard Zorn, an den Start gehen werden.
Wieder einmal gewannen die deutschen Teilnehmer die meisten Medaillen, nämlich 281, davon 110 in Gold, vor den Italienern, die auf 242 Medaillen kamen. "Arivederci bella Ancona"! Es waren wunderschöne Tage mit zahlreichen Begegnungen, gewinnbringenden Gesprächen und nachhaltigen Erinnerungen.
Guido Müller
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