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TSV Vaterstetten e.V. - Leichtathletik

Leichtathletik für Wettkämpfer, Leistungssportler und Freitzeitathleten

29.10.2016

WM-Bronze mit Vereinsrekord

von Christian Töpfer

Erste Medaille für Gerhard Zorn bei der Senioren-WM (Update!)

Erfolgreicher Auftakt für Gerhard Zorn bei der Senioren-WM in Australien. Der Sportler vom TSV Vaterstetten erlief sich mit der Zeit von 12,36 Sekunden über 100 Meter den dritten Platz in der Altersklasse M60.

"Die WM-Medaille musste her und jetzt ist sie da": Gerhard Zorn wurde WM-Dritter über 100 Meter in der Altersklasse M60.

Die Vorzeichen standen nicht schlecht: Nach zwei äußerst gelungenen Vor- und Halbfinalläufen bei der Senioren-WM im australischen Perth konnte Gerhard Zorn seine gute Form auch im Finale über 100 Meter unter Beweis stellen. Am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit lief er zur Bronzemedaille. Ein äußerst gelungener Auftakt der Wettkämpfe für ihn, mit dem er im Vorfeld nicht unbedingt gerechnet hatte (--> siehe unser Interview).

Während Gerhards Zeiten im Vorlauf (12,39 Sekunden) und im Halbfinale (12,21 Sekunden) noch von zu starkem Rückenwind begünstigt waren, war im Finale alles regulär. Bei Windunterstützung von 1,6 Metern pro Sekunde (erlaubt sind 2,0) bedeuteten die 12,36 Sekunden gleichzeitig einen neuen Vereinsrekord. Bisher hatte diesen Guido Müller gehalten, einer der Stars der deutschen Senioren-Leichtathleten. Seine 12,51 Sekunden waren vor 15 Jahren aufgestellt worden (--> siehe auch Bestenlisten).

Im Finale in Australien musste sich Gerhard nur dem Briten Steve Peters (12,11 Sekunden) und dem Japaner Ryoichi Oe (12,23 Sekunden) geschlagen geben (--> siehe Ergebnisse). Nebenbei bemerkt: Der Sieger Peters durfte erst nach einem erfolgreichen Protest nach dem Halbfinallauf am Finale teilnehmen, wo er seiner Favoritenrolle gerecht wurde.

Für Gerhard geht es am 31. Oktober mit dem Vorlauf über 200 Meter weiter. Wer will, kann die Senioren-WM unter http://www.perth2016.com/live-stream/ im Live-Stream verfolgen.

Hier Gerhards Bericht, den er aus Australien gemailt hat:

Heute war mein zweiter Wettkampftag und das 100-Meter-Finale, bei dem es anders lief, als gestern noch erwartet. Die erste Überraschung war das Wetter, denn als ich das Hotel verließ, regnete es und es gab weiterhin sehr böigen Wind, also keine idealen Voraussetzungen. Im Stadion hatte es sich schon herumgesprochen, dass der Favorit Steve Peters aus Großbritannien mit seinem Einspruch wegen der gestrigen Ereignisse im Halbfinale Recht bekommen hatte und das Finale mitlaufen durfte. Sportlich war es die richtige Entscheidung. Er hatte den offensichtlichen Fehlstart in seinem Semifinale ja nicht verursacht, aber sich als Einziger auf den Starter verlassen und auf den zweiten Schuss zum Abbruch des Rennens gewartet.

Für mich ging es an diesem Morgen erst mal darum, das übliche Ritual zum Aufwärmen abzuspulen. Alles verlief, ohne dass sich alte Blessuren bemerkbar machten oder neue auftraten.

Eine halbe Stunde vor dem Start muss man sich im Call Room melden. Dort macht man sich rennfertig, und die Spikenägel werden kontrolliert. Dann wird man als Gruppe hinausgeleitet und kann auf der Gegengerade noch zwei kurze Sprints ausführen. Und schon wird man wieder als Gruppe an den Start geführt, richtet sich den Startblock ein und probiert ein, zwei Starts aus. Alles ok.

Dann kommt auch schon das Kommando mit "On your marks". Links neben mir kniet Rudolf König, rechts neben mir Reinhard Michelchen. Mit drei Deutschen sind wir in diesem Finale stark vertreten. Schließlich folgt das Fertigkommando mit "Set". Der Starter wartet wieder sehr lange und Reinhard Michelchen läuft, wie am Tag zuvor, vor dem Schuss aus dem Block. Fehlstart. Alle laufen los, nur ich nicht. Die gleiche Situation wie am Tag zuvor bei Steve Peters im Halbfinale, nur hatte ich das Glück, dass der Starter diesmal den Fehlstart erkannte und das Rennen sofort zurückschoss.

Dazu muss man wissen, dass bei internationalen Seniorenmeisterschaften – im Gegensatz zu den Profis und zu den nationalen Seniorenmeisterschaften – jeder Läufer ungestraft einen Fehlstart produzieren darf. Irgendwann muss der Schuss ja kommen und so manch einer spekuliert da ein wenig auf ein paar Hunderstelsekunden Vorteil, wenn er genau beim Schuss losläuft.

Der ganze Vorgang begann also von vorne. Wieder dauerte es lange bis zum Schuss, aber diesmal blieben alle in den Blöcken, bis es soweit war.

Ich kam halbwegs gut raus, hatte aber, was man so aus dem Augenwinkel mitbekommt, links und rechts mehrere Leute vor mir. Mein Lauf verlief gut und kontrolliert. Insbesondere konnte ich mich nach etwa 50 Metern an meine deutschen Kollegen heranarbeiten und lag schließlich sogar vor diesen. Das Geheimnis des 100-Meter-Laufs liegt in der Entspannung in der zweiten Hälfte der Strecke. Wenn man es schafft, Arme und Beine kontrolliert locker zu lassen, ist schon viel erreicht.

Irgendetwas war aber bei diesem Rennen aber nicht ganz ok. Ich hatte erwartet, rechts außen auf Bahn 10 Steve Peters zu spüren, aber da war noch jemand anders unerwartet vor mir und verdeckte Peters. Dieser Überraschungsgegner aus Japan mit dem Namen Oe (das sind wirklich alle Buchstaben!) konnte seinen Vorsprung vor mir bis ins Ziel retten. Aber immerhin, ich konnte bei der starken innerdeutschen Konkurrenz nicht unbedingt mit dem dritten Platz und einer Bronzemedaille rechnen.

Die WM-Medaille musste her und jetzt ist sie da. Der Sieger Peters brauchte 12,11 Sekunde, der Japaner Oe hatte 12,21 Sekunde und ich kam auf 12,36 Sekunden.

Das Glück wurde dann noch vervollständigt durch die Windmessung, denn mit den gemessenen 1.6 m/s gilt der Lauf für die Rekordlisten. Damit habe ich den Vereinsrekord von Guido Müller in der M60 von 12,51Sekunden verbessert.

Eigentlich sind schon jetzt alle Reiseziele erfüllt und ich kann tiefenentspannt an den 200-Meter-Vorlauf am Montag gehen. Auch dort ist Steve Peters ausgewiesener Favorit – und der Kollege aus Japan ist jetzt nicht mehr unbekannt.

"Das 100-Meter-Finale verlief anders als erwartet": Selbst durch Proteste und Fehlstarts ließ sich Gerhard nicht aus dem Konzept bringen.