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TSV Vaterstetten e.V. - Leichtathletik
Leichtathletik für Wettkämpfer, Leistungssportler und Freitzeitathleten

Acht Starts und acht Siege

Guido Müller und Gerhard Zorn bei der Deutschen Seniorenmeisterschaft

04.07.2018 | von Guido Müller


Thumb guido m%c3%bcller h%c3%bcrdenlauf m%c3%b6nchengladbach 30 6 2018 Fünf weitere nationale Meistertitel: In der neuen Altersklasse M80 gewann Guido Müller die Deutsche Seniorenmeisterschaft über 100 m, 200 m, 400 m, 80 m Hürden und 200 m Hürden. (Foto: Görlitz)

Die beiden Aushängeschilder der Senioren-Leichtathletik beim TSV Vaterstetten haben bei der Deutschen Meisterschaft "geliefert". In jedem Wettkampf, an dem sie teilnahmen, gingen sie als Sieger hervor. Zwei persönliche Rückblicke.

Thumb gerhard zorn m%c3%b6nchengladbach 30 6 2018 Drei weitere nationale Meistertitel: Trotz muskulärer Probleme im Vorfeld gewann Gerhard Zorn die Deutsche Seniorenmeisterschaft in der M60 über 100 m, 200 m und 400 m. (Foto: Harald Köhler)

Guido Müller hatte in fünf Disziplinen in der Altersklasse M80 gemeldet. Hier sein Rückblick:

„Nach fünf Jahren fand die Deutsche Seniorenmeisterschaft mal wieder in Mönchengladbach statt. Über 1.300 Teilnehmer hatten zu dieser Großveranstaltung der älteren Leichtathleten ab 35 Jahre gemeldet, die vom 29. Juni bis zum 1.Juli im von Bäumen und Sträuchern umgebenen Grenzlandstadion durchgeführt wurden, bei herrlichem Sommerwetter bis zu 30 Grad.

Sehr gerne habe ich mich an meine Teilnahme dort vor fünf Jahren erinnert. Damals war ich im ersten Jahr in der Altersklasse M75 startberechtigt und konnte alle meine fünf Disziplinen gewinnen. Auch jetzt konnte ich nach der Durchsicht der Meldeliste mit den angegebenen Bestzeiten wieder auf fünf Titel hoffen, war ich in diesem Jahr bereits in der Altersklasse M80 startberechtigt.

Meine erste Disziplin war am ersten Wettkampftag der 100-m-Lauf mit acht Teilnehmern. Hier war mein stärkster Konkurrent Karl Schmid, gegen den ich in diesem Jahr bei der Deutschen Hallenmeisterschaften über 60 m mit sieben Hundertstelsekunden Rückstand den Kürzeren gezogen hatte. Auch in Mönchengladbach sah es zunächst bei nach der Hälfte der Strecke nach einem Sieg von Schmid aus, doch dann konnte ich beschleunigen und gewann mit 18 Hundertstelsekunden Vorsprung.

Am Nachmittag trat ich zum Lauf über 80 m Hürden an, zu dem sich nur ein Mitbewerber, zufällig auch mit dem Namen Müller, gemeldet hatte. Mit über einer Sekunde Vorsprung gewann ich diesen Lauf, in einer eigentlich für mich schwachen Zeit. Aus Sicherheitsgründen hatte ich den "Fünfer-Rhythmus" angewendet statt den sonst gelaufenen "Dreier-Rhythmus".

Die nächste Disziplin am nächsten Vormittag war für mich ein Prestigewettbewerb. Ab der M80 werden nicht mehr 300 m Hürden gelaufen, sondern altersbedingt ist die Strecke auf 200 m verkürzt. Nicht nur, dass ich diese Strecke zum ersten Mal als Senioren-Athlet laufen wollte, sondern ich war wirklich der Einzige, der für die 200 m Hürden gemeldet hatte. Es war schon ein etwas merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass das gesamte Kampfgericht mich alleine beobachten würde. An der ersten Hürde, 20 m nach dem Start, stimmte der Schritt nicht so recht, doch dann erreichte ich die restlichen vier Hürden bei jeweils 35 m Abstand mit perfektem Rhythmus und konnte danach die fehlenden 40 m bis zum Ziel noch gut sprinten. Mit der erreichten Zeit von 35,78 Sek. verbesserte ich die deutsche Bestzeit um fast vier Sekunden. Das intensive Hürdentraining im Stadion in Vaterstetten hatte sich wirklich gelohnt.

Am späten Nachmitttag des Samstags trat ich dann bei ca. 30 Grad zum Lauf über 400 m an, an dem vier Läufer teilnahmen. Ich hielt eine Verbesserung meiner vor zwei Wochen aufgestellten deutschen Bestleistung für möglich – doch ich verpasste sie um vier Zehntelsekunden. Der auf den ersten ca. 150 m spürbare Gegenwind verhinderte sicher eine bessere Zeit. Mein Vorsprung vor dem Zweiten betrug über zehn Sekunden.

Den Abschluss meines "Lauf-Fünfkampfes" bildete am Sonntagnachmittag der mit fünf Männern besetzte Lauf über 200 m. Da ich müde von den vorherigen Läufen war, blieb ich über zwei Sekunden über meiner deutschen Bestzeit, die ich zwei Wochen zuvor bei der Bayerischen Meisterschaft (--> Artikel hier nachlesen) aufgestellt hatte. Trotzdem konnte ich mit drei Sekunden Vorsprung den Lauf gewinnen.

Nach diesem erfolgreichen Abschneiden in Mönchengladbach kann ich nun erwartungsvoll auf die Weltmeisterschaft in Malaga in Spanien blicken, die vom 4. bis 16. September stattfinden wird. Anders als bei Wettkämpfen auf nationaler Ebene muss ich dort nochmals in der Altersklasse M75 antreten, da ich das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet habe.“

Gerhard Zorn hatte in drei Disziplinen in der Altersklasse M60 gemeldet. Hier sein Rückblick:

„Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaft war ich zurückhaltend, weil nach meinen muskulären Problemen in der Wade zwar das Geradeauslaufen wieder sehr gut funktionierte, das Laufen in der Kurve aber nicht so gut. Erst am Donnerstagabend habe ich dann das Hotel in Mönchengladbach gebucht, bin Samstag früh nach Düsseldorf geflogen und mit dem Mietauto nach Mönchengladbach gefahren.

Für 12 Uhr war der Vorlauf über 100 m angesetzt – und nach dem Aufwärmen und ein paar scharfen Antritten war mir klar, dass das ohne Probleme gehen müsste. Es brauchte dann insgesamt drei Startschüsse, bis wir wirklich laufen durften – zuvor war zweimal zurückgeschossen worden, weil irgendein Teilnehmer unzulässig gezuckt hatte. Ich kam sehr gut vom Start weg und hatte schon nach ein paar Sekunden einen Vorsprung, der es mir erlaubte sehr locker, aber druckvoll ins Ziel zu laufen. Die Zeit von 12,55 Sek. war für mich eine absolut positive Überraschung angesichts von vier Wochen Trainingsausfall. Zwar hatten wir einen leichten Rückenwind von 0,4 m/s, aber das Geheimnis war die Lockerheit. Ich verstieg mich schon fast zu der Aussage, dass das Training überbewertet sei, denn nachweislich ging es auch ohne.

In der Vorbereitung des Finales 90 Minuten später dachte ich dann doch oft an die Deutsche Meisterschaft vergangenes Jahr in Zittau, bei der ich mir beim 100-m-Finale kurz vor dem Ziel einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und dadurch die Saison abschließen musste. Ich wärmte also sehr sorgfältig auf und war beim Einnehmen der Startposition sehr optimistisch, dass ich die Vorlaufzeit nochmal deutlich verbessern können würde, denn es blies ein etwas stärkerer Rückenwind als im Vorlauf. Aber wie es der Teufel will, war zum einen die Lockerheit des Vorlaufs dahin, zum anderen drehte der Wind und wir hatten plötzlich einen Gegenwind von 1 m/s. Da musste ich dann mit dem Ergebnis von 12,54 Sek. eigentlich zufrieden sein, zumal ich damit gewinnen konnte. Der Zweitplatzierte hatte 12,85 Sek., der Drittplatzierte 12,97 Sek.

Für den frühen Abend war der Lauf über 400 m angesetzt. Diese Strecke hatte ich ein paar Tage zuvor noch im Training probiert und war dabei ein wenig gewarnt worden, was die Durchhaltefähigkeit betrifft, wenn man nicht trainiert. Es gab zwei Zeitendläufe und ich war mit meinen Hauptkonkurrenten für den zweiten Lauf vorgesehen. Der erste Lauf wurde mit etwa 63 Sek gewonnen. Da ich diese Zeit allemal laufen kann, musste ich also nur meinen Lauf gewinnen, um Deutscher Meister zu werden. Ich hatte dann noch das Glück, dass alle Rivalen für weiter außen liegende Bahnen eingeteilt wurde, so dass ich das Rennen immer im Blick hatte und schließlich mit fast drei Sekunden Vorsprung kontrolliert und sicher zum Sieg laufen konnte. Die Zeit war mit 58,08 Sek. nicht gut, aber das war mir in diesem Augenblick egal. Die Wade hatte gehalten und ich hatte während des gesamten Rennens nicht ein einziges Mal daran gedacht.

Am Sonntagvormittag ging es mit der Vorbereitung auf den 200-m-Lauf weiter. Bei dieser Distanz ist der Antritt in die Kurve natürlich anders als bei einem 400-m-Start. Aber mittlerweile hatte ich doch das Gefühl, dass ich nichts mehr befürchten musste. Ich konnte dann auch relativ sicher gewinnen, allerdings mit einer unerwartet schlechten Zeit von 26,18 Sek. Das lag vielleicht ein wenig am heftigen Gegenwind von 2,6 m/s, aber vielleicht doch auch an der fehlenden Kondition, denn der Vorsprung vor dem Zweitplatzierten betrug nur ein halbe Sekunde. Womit bewiesen wäre, dass systematisches Training doch notwendig ist, wenn man Spitzenleistungen bringen will.

Jedenfalls war ich froh, dass ich mich nicht neu verletzt hatte. Jetzt habe ich genug Zeit, um mich auf die Weltmeisterschaft im September in Malaga vorzubereiten. Wenn alles gut geht, sollten dort über 200 m und 400 m deutlich bessere Zeiten drin sein.“
(Textbearbeitung: Christian Töpfer)
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